12.08.2017 03:30 | Günter Murr

Ex-Kämmerer von Frankfurt: AfD-Politiker Glaser: "Deutschland braucht Yücel nicht"

Frankfurt Der AfD-Politiker Albrecht Glaser, früher einmal Kämmerer in Frankfurt, prophezeit in einer Wahlkampfrede den Untergang Europas. Er kritisiert kriminelle Ausländer und findet, dass der in der Türkei inhaftierte Journalist Deniz Yücel in Deutschland nichts zu suchen habe.

Kritisierte Europa, Migration, Islam – und Deniz Yücel: Ex-Kämmerer Albrecht Glaser.
Kritisierte Europa, Migration, Islam – und Deniz Yücel: Ex-Kämmerer Albrecht Glaser. Bild: Leonhard Hamerski

Abstürzende Kurven, schlingernde Linien, schrumpfende Säulen: Mit drastischen Bildern prophezeite Albrecht Glaser in seiner Zeit als Frankfurter Kämmerer (1997 bis 2001) den finanziellen Ruin der Stadt. Einige Kommunalpolitiker erinnern sich noch mit Schrecken an die stundenlangen Lichtbildervorträge des damaligen CDU-Politikers im Stadtparlament.

Am Freitag kehrte Glaser, mittlerweile 75 Jahre alt, von seinem heutigen Wohnort in Nordhessen mit einer anderen Prophezeiung an seine frühere Wirkungsstätte am Main zurück. Er sagte den Untergang Europas vorher. Glaser gehört seit einigen Jahren der AfD an, zählt zur erweiterten Führungsriege. Bei der Bundestagswahl steht er auf Platz fünf der hessischen Landesliste.

Rund 60 Zuhörer, darunter eine Handvoll Kritiker, sind in den großen Saal im Südbahnhof gekommen, um ihm zuzuhören. Sie müssen sich ihren Weg bahnen durch ein großes Polizeiaufgebot und Ordner, die die AfD selbst engagiert hat. Vor dem Bahnhof hat sich eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten postiert. Sie werfen der AfD Hetze und Glaser Unfähigkeit vor.

Für Markus Fuchs, den Frankfurter Kreissprecher der AfD, ist das die „übliche linke Folklore“. Als später der Stadtverordnete Nico Wehnemann (Die Partei) während der Rede der Bundestagskandidatin Joana Cotar einen AfD-kritischen Sticker ans Rednerpult pappt, komplimentieren ihn Ordner ohne viel Aufhebens aus dem Saal. „Asylbewerber sind wesentlich krimineller als Deutsche“, ruft die in Rumänien geborene Cotar unter großem Applaus. „Wir wollen das individuelle Grundrecht auf Asyl abschaffen.“

Dann kommt Glaser mit seinen Zahlen. Ausführlich zitiert er die Kriminalstatistik, differenziert die Täterwahrscheinlichkeit einzelner Nationalitäten bis in die zweite Nachkommastelle.

Und dann kommt er irgendwie auf Deniz Yücel. Er spricht dem in Flörsheim geborenen Journalisten, der in der Türkei inhaftiert ist, das Bürgerrecht in Deutschland ab. Anlass ist ein vor sechs Jahren erschienener ironischer Artikel über Deutschland – „das Land, das ihm und seiner Familie eine neue Heimat geboten hat“. Zwar wünsche er ihm nicht, dass er in einem „diktatorischen Land“ in Haft sitzt, aber: „Bürger mit dieser Einstellung braucht unser Land nicht.“

Nach 30 Minuten solcher Vorbemerkungen fängt er mit seinen 34 Folien zum Thema Europa, Migration und Islam an. Kurven, Linien, Säulen: Glaser bleibt sich treu. „Man muss ein wenig in die Tiefe gehen“, sagt er. Der AfD-Politiker gibt sich apokalyptisch, wähnt Deutschland auf der Titanic: Jedes der vom ihm skizzierten Probleme könne das Land zerstören. „Wenn sie aber zusammen auftreten, gibt es keine Hoffnung mehr.“

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Kommentare

  • Unterwerfung
    geschrieben von bandog (696 Beiträge) am 14.08.2017 19:16

    Erst wenn die letzte Kirche zerstört,
    alle Parlamente aufgelöst und Arabisch Amtssprache ist,
    die letzte Bundesflagge verbrannt,
    der letzte Christ totgeschlagen und der Begriff Deutschland verschwunden ist,
    werdet Ihr merken dass man Heimat nicht kaufen kann.
    (Frei nach einer Weissagung der Cree)

  • Schlimmer geht immer mit der AfD
    geschrieben von Seckberry (469 Beiträge) am 14.08.2017 12:19

    Auch beim Steuerrecht macht die AfD mitnichten Politik für kleine Leute.

    Zwar behauptet die AfD großspurig, das Steuerrecht drastisch vereinfachen zu wollen, angeblich um Mittel-, Geringverdiener und Familien zu entlasten.

    Der perfide Pferdefuß dabei ist der angestrebte "neue Einkommensteuertarif mit wenigen Stufen und einem deutlich höheren Grundfreibetrag", durch den, sehr pointiert formuliert, Reiche und Steuerhinterzieher entlastet werden.

    Allgemeiner ausgedrückt, profitieren Besserverdiener weit stärker vom AfD-Steuertarif als Geringverdiener, weil die Personen, die ein überdurchschnittliches Einkommen erzielen, im Vergleich zum heutigen Steuerrecht viel mehr entlastet werden.

    Und noch ein viel klareres Zugeständnis an Reiche und Firmen ist AfD-programmatisch festgezurrt:
    Die Erbschafts- und Vermögensteuer will die Partei gleich ganz abschaffen und sogar die Gewerbesteuer auf den Prüfstand stellen, ohne zu klären wie die dadurch ausfallenden Einnahmen generiert werden sollen.

  • @seckberry: Schlimmer als die Etablierten kann die AFD kaum sein
    geschrieben von bandog (696 Beiträge) am 13.08.2017 19:54

    Was von der FDP zu halten ist, weiß der letzte Dorfdepp und das schon seit 30 Jahren.
    Die Grünen und der Sozialstaat sind etwa so kompatibel wie Sea Shepard und der Walfang.
    Die Linkspartei hat überhaupt kein wirksames Konzept außer Umverteilung aufzuweisen- sprich Verarmung und Enteignung für alle Schichten. Und wer das Konzept der schleichenden Enteignung und der kalten Progression seit über eine Dekade betreibt, brauche ich ja wohl hier nicht zu erwähnen:
    Das ist die derzeit regierende große Koalition.
    Also vor was wollen Sie den Bundesbürger jetzt noch erschrecken:Vor dem, was die ganze Zeit sowieso schon läuft ?

  • Die AfD täuscht die kleinen Leute
    geschrieben von Seckberry (469 Beiträge) am 13.08.2017 19:20

    Obwohl sich die AfD gerne als Partei der Geringverdiener und der beruflich wie privat Deprivierten inszeniert, praktiziert sie in Wahrheit knallharte Klientelpolitik für Besserverdiener und Wirtschaftslobbyisten, nach dem Motto "wirtschaftsfreundlich statt sozial".

    Die AfD will angeblich Schutzmacht der kleinen Leute sein, aber ihre, die Interessen der Firmen und Reichen vertretende Politik wird nirgends deutlicher als in ihrer Wirtschafts- und Sozialpolitik.

    Einerseits propagiert die AfD Sozialgerechtigkeit mit Mindestlohn, Auflösung der Arbeitsagentur und Stärkung der Familie, aber krass widersprüchlich dazu fordert sie den möglichst totalen Rückzug des Sozialstaates.

    Das AfD-Programm liest sich in seiner antisozialen Unbeugsamkeit teils wie eine Werbebroschüre der Einheitsfront der Arbeitgeberverbände: Auf breiter Front deregulieren, je geringer die Staatsquote, desto besser für alle, wodurch die FDP vor Neid von gelb zu leichenblass changiert, ob dieser neoliberalen Rigidität.

  • @Seckberry
    geschrieben von Zaungast (9 Beiträge) am 13.08.2017 17:24

    Entscheidend bleibt, dass die AfD nie der Bettvorleger einer CDU wird, die von der Weltkanzlerin Frau Dr. Merkel angeführt wird. Im Gegensatz zu der FDP, die allein des Machtwillens wegen sogar mit Rot Grün ins Bett geht, siehe Rheinland Pfalz. Ein Deutschland, wo Tradition, Familie und Volk, wahr- und ernstgenommen werden, kann es unter Merkel nicht mehr geben.
    Allein aus diesem Grund kommt die CDU für konservative Wähler, wie mich, mit Eigentum und einem sechsstelligen Jahressteuerausgleich, nicht mehr in Frage.
    Ich liebe dieses Land, dass meine Vorfahren aufgebaut haben. Ich liebe meine Familie und wir sind alle stolz darauf unseren Beitrag geleistet zu haben. Auch lieben wir das vereinte Europa. Aber noch mehr lieben wir Souveränität und Freiheit. Diese werden durch Merkel und die CDU eingeschränkt. Das Wahlprogramm der AfD spricht uns aus der Seele. Unter Merkel ist die CDU nur noch eine linksorientierte Partei.



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