13.10.2017 12:29 |

Frankfurter Wahrzeichen: Experten: Wiederaufbau des Goetheturms in Holz problemlos möglich

Frankfurt Nach dem verheerenden Brand scheint es in Frankfurt unstrittig, dass der Goetheturm wiederaufgebaut werden soll. Diskutiert wird jedoch, in welcher Form das erfolgen soll. Ein Neubau des Goetheturms in Holzkonstruktion ist nach Ansicht von Experten problemlos möglich

Die Überreste des Frankfurter Goetheturms. Bild: Lukasz Galkowski

„Natürlich kann der Turm in Anlehnung an seine ursprüngliche Form wieder hergestellt werden“, sagt Rainer Graefe, der in Dreieich ein Ingenieurbüro betreibt und unter anderem den Atzelbergturm in Kelkheim konstruiert hat. „Aber es bleibt natürlich immer ein Gefahrenpotenzial.“ Vor Vandalismus sei man nie sicher, helfen könne allenfalls Videoüberwachung.

Graefe plädiert für einen neuen Holzbau, würde die Konstruktion aber etwas verändern. „Die Treppen waren oben schon sehr eng und schmal, das könnte man anders machen.“ Ein barrierefreier Zugang jedoch sei nur schwer zu realisieren. Denn ein Aufzug lasse sich in eine Holzkonstruktion nicht integrieren. Stahl habe zwar nicht die selbstbrennenden Eigenschaften wie Holz, „aber das hat man im Wald nicht so gerne“.

Auch der Darmstädter Ingenieur Klaus Berner, Seniorprofessor für Baustatik, Holz, Stahl- und Verbundbau an der Fachhochschule Mainz, hält nichts von einer Stahlkonstruktion. „Versuche haben gezeigt, dass Stahl bei einem Brand schon nach neun Minuten weich wird“, sagte er. Außerdem sei der Korrosionsschutz sehr aufwendig. Holzbalken hingegen verkohlten zunächst nur außen, blieben aber im Kern stabil. Man könne sie so bemessen, dass sie einem Feuer 30 oder sogar 60 Minuten standhalten.

Zwar gebe es auch Anstriche, die bei einem Brand aufschäumen und verhindern sollen, dass sich das Feuer ausbreitet. „Aber das ist sehr teuer und funktioniert meist nicht.“ Aktuelle Bauvorschriften oder Normen stünden einem neuen Aussichtsturm aus Holz nicht entgegen. „Das ist technisch keine außergewöhnliche Konstruktion.“ Berner empfiehlt die Holzbauweise deshalb „aus voller Überzeugung“ – obwohl er sich zuletzt vor allem mit Stahlbau beschäftigt hat.

mu

Kommentare

  • Dann schlage ich zurück:
    geschrieben von HannesHeiler (3 Beiträge) am 15.10.2017 17:14

    Was ein Unsinn! Haben Sie schon jemanden im Rollstuhl auch nur 10 Stufen hochgezogen? Wenn nein, sollten Sie lieber still sein.
    Im übrigen ist Barrierefreiheit inzwischen einfach ein gesetzliches Recht, über das sich auch ewig-gestrige und historisch-orientierte nicht hinwegsetzen können und dürfen.

  • Barrierefrei hat selbstverständlich zu sein!
    geschrieben von HannesHeiler (3 Beiträge) am 14.10.2017 13:34

    Wie kann es heute überhaupt eine Frage sein, einen neuen Goetheturm barrierefrei zu bauen? Selbstverständlich ist der Turm mit Aufzug zu bauen, alles andere ist schlicht indiskutabel. Solche Diskussionen mussten wir vor 30 Jahren führen, aber heute hat das selbstverständlich zu sein.

    Hannes Heiler
    FBAG

  • Dann schlage ich doch vor,...
    geschrieben von CJB (27 Beiträge) am 14.10.2017 16:22

    ...gleich den ganzen Sachsenhäuser Berg abzutragen und damit die Senke zwischen Bad Homburg und Enkheim aufzufüllen - schon sind wir der zu hundert Prozent behindertengerechten Erde ein Stück näher gekommen.
    Als nächstes Projekt kommt dann die Auffüllung des Mittelmeeres und die Abtragung der Alpen an die Reihe.

    Damit man mich hier recht versteht: Ich bin in einem Alter, in dem ich nicht mehr weit von dem Punkt entfernt bin, daß ich nicht mehr so mühelos überall hinkommen werden, wie es in den letzten Jahrzehnten der Fall war. Auch habe ich mittlerweile etwas mit meinem linken Bein, und dies könnte in einigen Jahren dazu führen, daß ich es nicht mehr regulär benutzen kann.

    Trotzdem halte ich die Ansicht, alles müsse für jeden ohne fremde Hilfe erreichbar sein, schlichtweg für verfehlt, weil es nicht zu erreichen ist. Stattdessen wünsche ich mir mehr Tatkraft und Hilfbereitschaft von denen, die mobil sind, gegenüber jenen, die Hilfe benötigen. Hilfe annehmen ist nicht verwerflich.



Ein neues Posting hinzufügen


Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: In welchem Bundesland liegt die Stadt München?: 

Weitere Artikel aus Frankfurt

Marathonläufer rennen durch das Bankenviertel. Bei Deutschlands ältestem Stadt-Marathon sind meist mehr als 15 000 Läufer am Start.
Frankfurt
|
36. Frankfurt Marathon

Das müssen Sie zum Laufklassiker am Main wissen

Weit entfernt scheinen die auf Hochglanz polierten Glasfassaden der Bankentürme, deren Silhouetten nur schemenhaft von der Nordweststadt aus zu erkennen sind. Dabei sind die Wolkenkratzer der Mainmetropole gerade einmal acht Kilometer entfernt.
Frankfurt
|
Stadtteil-Serie (Teil 19)

Nordweststadt: Die Trabantenstadt

Weitere Artikel aus Frankfurt

Hohe Flammen schlagen aus den Türen und Fenstern im Obergeschoss der Kindertagesstätte.
Frankfurt
|
Waldorf-Kita am Dornbusch in Flammen

Brandserie in Frankfurt: Viele Gemeinsamkeiten

Dass sie sich auf den Wahlkampf freut, sieht man Nargess Eskandari-Grünberg an. „Die anderen können sich warm anziehen“, kündigt sie bei ihrem Wahlkampfauftakt an.
Frankfurt
|
Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt

Eskandari-Grünberg will Jahresticket für Bus und Bahn für 365 Euro

Rubrikenübersicht