13.10.2017 03:30 |

Feuer: Nach dem Goetheturm-Brand: Frankfurt trauert und packt an

Frankfurt Am frühen Morgen herrschte im Stadtwald in Sachsenhausen Fassungslosigkeit und Wut. Viele Menschen verbindet eine Geschichte mit dem Wahrzeichen, das Raub der Flammen wurde. Die Angst vor einem Serientäter geht um.

Der Goetheturm steht in Flammen. Der rund 40 Meter hohe Aussichtsturm am Rande des Stadtwalds bestand vollständig aus Holz. Die Feuerwehr hat ihn kontrolliert abbrennen lassen.
Der Goetheturm steht in Flammen. Der rund 40 Meter hohe Aussichtsturm am Rande des Stadtwalds bestand vollständig aus Holz. Die Feuerwehr hat ihn kontrolliert abbrennen lassen. Bild: Leonhard Hamerski

Der Schockzustand und die Trauer währten nicht lange. Noch hatte die Feuerwehr ihre Löscharbeiten nicht beendet, da meldeten sich über die Sozialen Netzwerke schon die ersten Bürger und Institutionen, die ihre Hilfe beim Wiederaufbau des abgebrannten Goetheturms anboten. So hat Rechtsanwalt Christoph Schmitt mit anderen einen gemeinnützigen Verein zum Wiederaufbau des Wahrzeichens gegründet.

 

Autorin Susanne Reichert bietet die Lesung ihrer Kurzgeschichte „Abgeklatscht“ an und will einen Teil der Einnahmen aus den Buchverkäufen spenden. „Frankfurt braucht dieses wunderbare Wahrzeichen, also packen wir es an“, fordert sie in einem Facebook-Eintrag auf. Auch die „Fliegende Volksbühne“ sei dabei, wenn es eine Aktion zum Wiederaufbau gibt, kündigte deren Direktor Michael Quast an. Außerdem will sich heute Abend eine Bürgerinitiative gründen. Sie trifft sich um 19 Uhr im Mühlberglädchen am Wendelsweg 85.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte gestern Mittag unweit der Brandstelle, dass bereits unter anderem die Handwerkskammer, die Nassauische Sparkasse, die Eintracht, die Frankfurter Sparkasse, die Stadion Betreiber Gesellschaft und Ball Communication ihre Hilfe angeboten hätten. Er kündigte entschlossen an: „Wir bauen den Goetheturm wieder auf!“

Am frühen Morgen hatten noch Fassungslosigkeit, Entsetzen und Unverständnis geherrscht. Dutzende Anwohner aus den benachbarten Wohngebieten hatten sich entlang der Polizeiabsperrung versammelt und schauten sich aus sicherer Entfernung das Ausmaß der Tragödie an. Die vorbeilaufenden Hundebesitzer und die zum Teil noch ahnungslosen Jogger waren nicht minder fassungslos, als sie beim Anblick der abgebrannten Holzkonstruktion anhielten: Gestern noch da, heute nur noch ein Skelett – für die häufigen Besucher des Goetheturms nicht zu glauben. Viele traurige Gesichter waren dort versammelt, bedeutete der Turm schließlich für einige von ihnen auch ein Stück Lebensgeschichte.

Es war kein Irrtum

So ergeht es etwa dem Ehepaar Blum, das seit rund 50 Jahren im Sachsenhäuser Landwehrweg wohnt – und der Goetheturm dabei stets im Mittelpunkt des Geschehens steht. „Wenn unsere Kinder aus Bern zu Besuch kommen, führt der erste Ausflug immer hierhin: Wir gehen hoch und dann schön Essen am Mittag“, erklärt die gebürtige Schweizerin Irmgard Blum. „Es ist einfach traurig. Ganz schlimm für hier oben. Man kann es nicht glauben, wie man so etwas kaputt machen kann.“

Sie und ihr Mann haben erst in einem Telefonat mit ihrer Tochter erfahren, dass der Goetheturm abgebrannt ist. Selbst mitbekommen hätten sie in der Nacht nichts. „Wir haben keine Feuerwehr gehört.“ In der Hoffnung, dass es sich deshalb um einen Irrtum handeln müsse, seien sie schließlich Richtung Goetheturm gelaufen. Und sahen, dass die Tochter Recht hatte. „Es wurde viel investiert, um den Turm wieder schön zu machen, und jetzt ist er einfach weg.“

Der Wald blieb unversehrt

Rosemarie Herrmann erfuhr per Mitteilungsdienst WhatsApp von dem Unglück. Ihre Tochter hatte in die Nachricht einen aktuellen Zeitungsbericht verlinkt und mit dem Zusatz „Ich könnte heulen!“ und drei weinenden „Smileys“ versehen. „Da habe ich gedacht, es wäre vielleicht eine Falschnachricht, die über Facebook kommt.“ Auch bei ihr zerstreuten sich die Hoffnungen, als sie am Ort des Geschehens eintraf. „Wir sind total schockiert. Der Enkel ist hierhin gegangen, der ist immer hochgekrabbelt.“ Herrmann stockte kurz und seufzte: „Nicht schön so was. Wer hat da Spaß dran?“ Sie sei zumindest froh, dass der Wald nicht gleich mit abgebrannt sei. „Meine Kinder sind 1966 und 1967 geboren. Wir waren hier ständig auf dem Spielplatz, sind hier Kaffee trinken gegangen. Das war so eine schöne Zeit“, sagte sie.

Dass es sich um eine Brandstiftung handeln muss, daran zweifelt kaum einer. Die Menschen hoffen, dass der mutmaßliche Feuerteufel gefasst wird, damit sich so etwas in Frankfurt nicht nochmals wiederholt. Die Sorge vor einer Serientat greift in den Gesprächen im Stadtwald schnell um sich. „Es war nicht der letzte Brand“, prophezeite ein weiterer Anwohner vom Sachsenhäuser Landwehrweg. „Fanatiker, Bekloppter“, schimpfte ein Mann im Vorbeilaufen: „Ein gesunder Mensch macht so etwas nicht.“

Die Spendenkonten

Spenden können auf die Konten IBAN DE46 5105 0015 0140 3028 60,
BIC NASS DE 55 XXX, Inhaber Stadt Frankfurt, mit dem Stichwort Goetheturm bei der Nassauischen Sparkasse eingezahlt werden, oder bei der Frankfurter Sparkasse auf
IBAN DE55 5005 0201 0200 6525 75,
BIC HELA DEF 1822, Kontoinhaber Frankfurter Sparkasse, Stichwort Wiederaufbau Goetheturm.

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