14.08.2017 03:30 | Enrico Sauda

Auf der Welle des Erfolgs

Frankfurt

Bestens gelaunt: Moses Pelham strahlt bei der Vorstellung seiner neuen Platte „Herz“ im „Oye“ in die Kameras.
Bestens gelaunt: Moses Pelham strahlt bei der Vorstellung seiner neuen Platte „Herz“ im „Oye“ in die Kameras. Bild: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)

Für Rapper und Musikproduzent Moses Pelham läuft es mehr als gut: Da ist zum einen das neue Album „seiner“ Gruppe „Glashaus“ mit dem Titel „Kraft“ – erstmals seit einem Dutzend Jahren wieder in Originalbesetzung mit Martin Haas und Cassandra Steen . Da ist zum anderen Pelhams Auftritt bei der Fernsehshow „Sing meinen Song“. Der kam enorm gut an und er selbst entdeckte dabei Lena Meyer-Landrut , die ebenfalls mit von der Partie war bei dem Tauschkonzert, für sich.

Ali Neander (links) und Martin Haas sind unter den Gästen. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Ali Neander (links) und Martin Haas sind unter den Gästen.

„Ich bin von Lena begeistert. Super, was sie als junger Mensch, den ich, ganz offen gesprochen, für etwas oberflächlich gehalten hätte, für eine Tiefe hat“, sagte er in einem Interview vor einiger Zeit. Doch damit nicht genug, denn die Frankfurter wählten ihn zum „Frankfurter Original“. Und nun, sozusagen um alledem noch die Krone aufzusetzen, veröffentlichte er noch sein neues Album, das den Titel „Herz“ trägt. Klar, dass dieses gebührend gefeiert wurde. Und zwar im Bahnhofsviertel im „Oye“, dem Club der Brüder Zeleke an der Taunusstraße.

Der Laden ist voll. „Herzlichen Dank fürs Kommen, ihr Lieben“, ruft Moses Pelham, der kurz nach 22.30 Uhr das Lokal betritt. Es ist heiß: Draußen regnet es, aber drinnen schwitzen alle. Und jeder möchte Meister Moses die Hand schütteln, ihm auf die Schulter klopfen, ihn beglückwünschen. Er gibt sich leger, hat für alle und alles Zeit. Ein Interview hier, ein Selfie da, ein Autogramm dort.

Prostet gern: Sänger Daniel Wirtz trinkt auf Moses Pelham. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Prostet gern: Sänger Daniel Wirtz trinkt auf Moses Pelham.

Workaholic Moses Pelham ist tiefenentspannt und trägt ein schwarzes T-Shirt mit dem einfach gehaltenen Schriftzug „FFWL“ und darunter das Frankfurter Wappen. „From Frankfurt with Love“ (Aus Frankfurt mit Liebe“), dafür stehen diese Kapitälchen in weißer Schrift. Und voll von diesem Gefühl scheinen in dieser Nacht alle für Moses zu sein – und er wiederum für alle.

„Moses ist ein Verrückter“, sagt einer, der es wissen muss, der ihn von Anfang an begleitet und der ihn mit seiner Band, den „Rodgau Monotones“ , unterstützt hat: Gitarrist Ali Neander . „Aber natürlich im positivem Sinn“, fügt der Mann hinzu, der auch auf „Herz“ wieder mit von der Partie ist. „Moses steckt voller unglaublicher Energie und überrascht“, sagt Nerander, der auch wieder mit ihm auf Tournee gehen wird. Ebenfalls lange kennen sich Martin Haas, der das „Herz“-Album produziert hat, und Pelham. „Das scheint eine gelungene Release-Party zu sein“, sagt Haas ironisch und blickt auf die Menge, die sich dicht an dicht durch die Discothek drängt und auch auf das überlebensgroße Plakat, das Moses zeigt und schräg gegenüber der Wodka-Bar hängt – ein Magnet, zu dem es alle zuerst zieht. Die Wodka-Bar, versteht sich.

„Für Moses läuft es wirklich ganz gut im Moment. Man kann es nicht anders sagen, als dass wir einen ganz guten Lauf haben“, untertreibt Haas. Zu den Gästen gehört Sänger Daniel Wirtz , der ebenfalls einmal beim Tauschkonzert „Sing meinen Song“ mitgemacht und seitdem einen Popularitätsschub erhalten hat. „Ich bewundere Moses’ Art, zu produzieren“, lobt Wirtz, dessen neues Album in wenigen Monaten erscheint. „Ich habe ihn beim ein oder anderen Whiskey schon darauf angesprochen, ob wir nicht mal aus Spaß etwas zusammen machen wollen“, so Wirtz. „Ich glaube, er hat mal ja gesagt.“ Das könnte schon was werden. „Er hat eine sehr liebevolle, akribische und unfassbar detailverliebte Art an Lieder heranzugehen. Ich finde es sehr außergewöhnlich, wie er arbeitet und muss den Hut vor ihm ziehen“, lobt Wirtz.

Pelham sagt über seine musikalische Entwicklung unter anderem: „Ich habe mich in meiner Vergangenheit mit dem Wunsch nach einer Ernsthaftigkeit und Seriosität in der Kunst irgendwann ein bisschen verlaufen. Ich habe die Ernsthaftigkeit mit Dunkelheit verwechselt. Ich dachte, ich kann nur über die größten und traurigsten Dinge schreiben, um zu dieser Tiefe zu gelangen, nach der ich mich sehnte.“

Der Frankfurter Rapper weiter: „Ab einem gewissen Punkt hat meine ausschließliche Konzentration darauf auch etwas mit meinem Leben gemacht, was nicht schön war. Ich bin sehr froh, das erkannt zu haben.“ In einem Interview zu „Kraft“, der aktuellen „Glashaus“-CD, sagte Pelham: „Im Rückblick muss ich sagen, dass ich glaube, dass ich mich bei dem Versuch ein bisschen verrannt habe, ehrliche, ernsthafte Musik zu machen, die sich so weit öffnet, dass sie eine gewissen Angriffsfläche bietet.“ Er habe „ernst und wahrhaftig“ mit „schwer“ verwechselt. Aber schon beim Lied „Ein schöner Tag“, das sich auf dem Album „Geteiltes Leid 2“ befindet, „wurde deutlich, dass ich nicht in dieser Situation verharren möchte. Weder als Mensch, noch als Künstler.“

Um aus dieser Lage herauszufinden, sei ein Prozess nötig gewesen. „So eine Entwicklung braucht ihre Zeit und bereits bei ,Geteiltes Leid 3’ hört man, dass da jemand ist, der eine Perspektive braucht. Dass da einer ist, der nicht nur Beschwerdestücke schreiben will.“ Beschweren kann sich Moses Pelham derzeit wahrlich nicht. . .

(es)

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