17.07.2017 03:30 |

„Malkasten“-Künstler stellen in der Rotunde aus und hoffen auf Aufmerksamkeit: Großer Raum sucht Publikum

Rüsselsheim Die Rathaus-Rotunde ist ein hoher lichter Raum. Gut geeignet, um Kunst wirkungsvoll zu präsentieren. Beim Aufbau der jüngsten Ausstellung aber hieß es: Leiter rauf, Leiter runter.

Gemeinsamer Ausstellungsaufbau: Die Künstlerinnen Doris Stork-Wegener und Sieglinde Nordmann (von links) helfen sich.
Gemeinsamer Ausstellungsaufbau: Die Künstlerinnen Doris Stork-Wegener und Sieglinde Nordmann (von links) helfen sich. Bild: Charlotte Martin

Sieglinde Nordmann und Doris Stork-Wegener helfen sich gegenseitig. Sie wuchten so manch großes Objekt die Stehleiter hinauf, um dann die Bildhaken auf den Plastikschnüren zu befestigen. „Hängt es gerade?“, lautete die Frage der Frau auf der Leiter an jene, die zur Absicherung und Kontrolle unten geblieben ist.

Keine Leitersprosse ist ihnen zu viel, wenn es darum geht, alles für ihre Doppelausstellung „Fläche trifft Linie“ in der Rathaus-Rotunde vorzubereiten. Die Seniorinnen bezeugen dabei jenseits ihres künstlerischen Formats respektable Fitness. Auch Malerkollegin Sigrid Roes, Renate Sajnovits, Vorsitzende der Künstlergruppe „Malkasten“, und Sieglinde Nordmanns Ehemann packen mit an. „Dass wir uns helfen, versteht sich ohne Worte“, sagt Sieglinde Nordmann.

Seit langem gehören sie und Doris Stork-Wegener zur Künstlergruppe „Malkasten“. Sie sagen: „Dass wir jetzt in der Rotunde im Doppelpack ausstellen, folgt dem Beschluss der Gesamtgruppe.“ Und Renate Sajnovits erklärt: „Wir wählen für Doppelausstellungen Künstler aus, deren Arbeiten deutliche Parallelen aufweisen oder aber einen spannenden Kontrast bilden.“

Durchweg kleinere handliche Formate hat Doris Stork-Wegener, die ehemalige Kunsterzieherin und Lehrerin für Hörgeschädigte, mitgebracht. „Ich habe mir für die Hängung die losen Stellwände mittig im Raum ausgesucht, denn meine drei Serien – Porträts, Florales und Landschaften – bilden hier eine entspannt zu umrundende Einheit“, sagt sie. Seit 2011 hat sie die eigene Freude am Malen verstärkt in den Fokus gerückt und verschiedenste Kurse besucht. Inge Besgen war ihre Lehrerin, ebenso Sabine Pillwitz-Schaum, deren Kurse sie noch heute belegt. „Zeichnen fasziniert mich. Ich verbinde es mit anderen Techniken – Acryl, Aquarell oder wie hier Moorlauge“, sagt sie, weist auf Porträts hin: „Der Farbfleck war inspirierender Ausgangspunkt. Die Charaktere mit Hut oder Dutt oder der Teddybär sind zeichnerisch daraus erwachsen.“

Die hohen Rundwände im Raum hat Stork-Wegener ihrer Malerkollegin überlassen. „Die großformatigen Arbeiten meiner Architekturfragmente in Grau, Schwarz und Weiß brauchen halt Platz, um zu wirken“, sagt Sieglinde Nordmann.

Vielfalt als Stilmittel

Anders als ihre Kollegin versteht sie sich nicht mehr als Hobbykünstlerin: Viele Einzelausstellungen sowie auch Auszeichnungen und die Auspreisung ihrer Werke künden von ihrem Können. „Manche Kritiker meinen, ich hätte meinen Stil noch nicht gefunden, weil ich vielfältig bin. Aber eben diese Vielfalt ist es, die mich ungemein reizt.“ Ihre großen ausschnitthaften Architekturdarstellungen prominenter Gebäude aus Mainz und Frankfurt haben einen Hauch von Pop-Art. Fehlt nur das Bunte. Kleinere Stadtansichten, gefertigt mit Rohrfeder auf Nesselstoff oder als Zeichnung auf Packpapier, bezeugen Eigenart.

Inzwischen aber wird weitergearbeitet. Leiter rauf, Leiter runter. Renate Sajnovits sagt: „Wir Künstler vom Malkasten stellen seit fünf Jahren dreimal jährlich in der Rotunde aus. Zur Vernissage sind immer sehr viele Gäste da, doch während der Dauer der Ausstellung fehlt es an Publikum.“ Sie setzt hinzu: „Die Rotunde mit Eingang in der Faulbruchstraße liegt am Rande. Hier kommen Besucher nur ganz gezielt her.“ Unvergleichlich besser besucht seien die Malkasten-Ausstellungen in der Schleuse der Opelvillen, die thematisch oft eine Auseinandersetzung mit der Hauptausstellung darstellen. „Und auch unsere ,Galerie auf Zeit’, das Kunstschaufenster in der Frankfurter Straße, das jeweils an verkaufsoffenen Sonntagen einlädt, sich die wechselnden Bilder und Objekte in Ruhe anzusehen, wird gut angenommen. Nur während des Hessentags war es leider auch ein Flop.“

Info: Die Ausstellung „Fläche trifft Linie“ mit Bildern von Sieglinde Nordmann und Doris Stork-Wegener in der Rotunde, Eingang Faulbruchstraße, ist bis zum 11. August zu sehen.

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