12.08.2017 03:30 | Matthias Hoffmann

Verein vermittelt rund 300 Tiere pro Jahr: Hier wird Meerschweinchen geholfen

Kreis Gross-Gerau Bernardo, Trüffel und Co. – beim Verein „Meerschweinchen in Not“ bekommt jedes Tier einen Namen. Bei 300 Nagern braucht es Ideen.

Fühlt sich offenbar beim Futtern ertappt: Yuukis Stallgenossin Baghira.
Fühlt sich offenbar beim Futtern ertappt: Yuukis Stallgenossin Baghira. Bild: Matthias Hoffmann

Wer Karoline Neudert besucht, muss aufpassen, wo er hintritt. Denn überall im Garten wuseln Tiere umher. Ihre beiden Hunde Alfred und Fritzi laufen schwanzwedelnd über das Grün. Katze Muffin stromert durch die Gegend. Und die drei Meerschweinchen Kwabs, Jaakari und Radieschen huschen über den Rasen.

Doch das ist längst nicht alles. Hinten im Garten steht eine Laube. Sie beherbergt die Auffangstation des Vereins „Meerschweinchen in Not“. 16 Tiere sind aktuell hier gestrandet. Ihnen geht es in ihren Parzellen sichtlich gut, sie quieken vergnügt um die Wette. „16 Meerschweinchen sind nicht sonderlich viel. In der Ferienzeit gibt es normalerweise ganz viele Notfälle“, sagt Neudert. Durch ihre Betonung des Wortes „Notfälle“ wird klar, dass sie den Begriff ironisch verwendet. Sie meint damit, dass viele Familien die Tiere kurzerhand loswerden wollen, um in den Urlaub fahren zu können.

Station zum Auffangen

80 Tiere haben Platz in der Auffangstation. Bis die in Neuderts Garten stand, war es ein langer Weg. Vor elf Jahren ist die gebürtige Frankfurterin dem Verein beigetreten. „Ich habe dann die ersten beiden Tiere aufgenommen, als ganz normale Pflegestelle. Wenig später kamen die nächsten zwei – und dann kamen auch schon vier neue. . .“

Irgendwann ging sie zu ihrem Mann und sagte: „Bau’ mir doch mal ein größeres Gehege.“ Für den Schreinermeister kein Problem. Heute ist die Laube bestens ausgestattet, mit Heizung, Lüftungsanlage und Katzenklappe – um Mäuse abzuschrecken. „Die könnten Krankheiten hier reinbringen“, erklärt Neudert. Katze Muffin und die Meerschweinchen leben in friedlicher Koexistenz.

Bankkauffrau Neudert hatte schon als Kind Tiere. „Als sie in Kelsterbach noch die Stoppelfelder abgefackelt haben, habe ich die Tiere aufgelesen, die dem Feuer nicht entkommen sind“, erinnert sie sich. Mit der Sporttasche sei sie über die verkohlten Felder gestreift und habe Igel, Kaninchen und Co. eingesammelt. „Meine Mutter hat sie in Kamillentee gebadet. Am nächsten Morgen musste sie berichten, wer es geschafft hat.“

Susi war die erste

Neudert war damals fünf Jahre alt. Wenig später kam das erste Meerschweinchen ins Haus, Susi. „Als wir mit den Eltern im Urlaub waren, hat mein Opa angerufen und gefragt, ob wir nicht zufällig zwei Tiere gekauft hätten.“ Hatten sie nicht, Susi war schwanger gewesen und hatte Nachwuchs zur Welt gebracht. Damals begann, was sich heute so anhört: „Mein Herz gehört den Meerschweinchen.“

Rund 300 Tiere nimmt der Verein pro Jahr auf und vermittelt sie. Jedes von ihnen hat oder bekommt einen Namen. Diese sind illuster: Thomas, Bernardo, Sternschnuppe oder Trüffel heißen die putzigen Vierbeiner. Hinzukommen noch 38 Nager, die nicht mehr vermittelt werden und auf Kosten des Vereins ihr Gnadenbrot bekommen.

„Bei uns landen auch viele Schicksale“, sagt Neudert. Sie erzählt, wie mal eine Frau bei ihr angerufen habe. „Kommen Sie her und holen das Tier endlich da raus“, hatte die Anruferin panisch gefordert. Es stellte sich heraus, dass der Freund der Anruferin ein Meerschweinchen an seine Würgeschlange verfüttern wollte. „Das Tier hatte drei Tage und Nächte mit seinem Fressfeind zusammengesessen und war völlig verängstigt“, erzählt Neudert. Glück im Unglück: Der Verein konnte das traumatisierte Tier wieder in eine Gruppe eingliedern und gemeinsam vermitteln.

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