17.07.2017 03:30 |

Verband Hessischer Fischer setzt 50 000 Jungaale im Fluss aus: Neue Bewohner im Altrhein

Ginsheim-Gustavsburg Neue Aale braucht der Rhein! Gesagt, getan: Etliche Tausend davon wurden am Samstag im Ginsheimer Altrhein ausgesetzt. Das Ereignis war ein Spektakel, obwohl es nicht so viel zu sehen gab.

Aale aussetzen – das war eine aufregende Sache für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.
Aale aussetzen – das war eine aufregende Sache für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Bild: Ralph Keim

Der Aal hat sich rar gemacht in deutschen Flüssen, er ist sogar vom Aussterben bedroht. Das hat längst den Menschen auf den Plan gerufen, der vielerorts in Zuchtanlagen für Nachwuchs sorgt, um diesen dann in Flüssen auszusetzen. Am Samstag war es wieder einmal soweit: Auf mehr als 100 Kilometern wurden an mehreren Stellen im Rhein insgesamt rund 50 000 Jungaale ausgesetzt, darunter auch im Ginsheimer Altrhein.

Das Ereignis geriet zum Spektakel: Zahlreiche Zuschauer hatten sich am historischen Altrheinkran versammelt und warteten geduldig auf die Hauptakteure: die Jungaale. Gekommen waren unter anderem Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid, Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha, etliche Magistratsmitglieder und Stadtverordnete und natürlich Kinder, die es kaum erwarten konnten, die Tiere zu Gesicht zu bekommen, die auch auf deutschen Tellern – ob geräuchert oder mariniert – selten geworden sind.

Insgesamt 50 000 Jungaale haben am Samstag im Rhein eine neue Heimat gefunden. Foto: (RALPH KEIM)
Insgesamt 50 000 Jungaale haben am Samstag im Rhein eine neue Heimat gefunden.

Doch zunächst gab es zahlreiche Reden, in denen die Bedeutung einer solchen mehrere zehntausend Euro teuren Aktion bekräftigt wurde: Regierungspräsidentin Lindscheid erinnerte an das Jahr 1986, als nach einem Großbrand beim Basler Chemieriesen Sandoz kontaminiertes Löschwasser in den Rhein floss und für ein Massensterben der Fische sorgte, auch beim Aal.

Rainer Hennings und Karl Schwebel vom Verband Hessischer Fischer, der die Aussetzaktion zusammen mit dem Regierungspräsidium organisiert hatte, erläuterten umfangreich den nicht gerade unkomplizierten Lebenszyklus eines Flussaals, der normalerweise viele Tausend Kilometer wandern beziehungsweise schwimmen muss, bevor er beispielsweise im Rhein eintrifft.

„Die Aale kommen!“ Dann endlich erreichte der Transport der Jungaale den Altrhein. Ein knappes Jahr hatten die glitschigen Tiere in einer nordhessischen Fischzuchtanlage ein komfortables Leben geführt, mussten sich um Futter und um Fressfeinde keine Gedanken machen. Sofort stürzten sich Kinder und Erwachsene gleichermaßen auf den Transporter und füllten die kleinen, etwa 20 Zentimeter langen Aale aus den großen Tanks in kleinere Plastikeimer um. „Die sehen ja aus wie Schlangen“, meinte ein Mädchen. Das war dann an diesem Vormittag auch so ziemlich die einzige Möglichkeit, die selten gewordenen Tiere zu Gesicht zu bekommen.

Einige Kinder durften etliche hundert Aale direkt am Altrheinufer aussetzen, fotografiert und gefilmt von den Eltern und den Pressevertretern. Aktive des ASV Ginsheim setzten das Gros der Jungaale weiter entfernt aus. Kaum freigelassen, sollten die Tiere besser Schutz in Totholz, zwischen Steinen, Wurzeln und Wasserpflanzen gesucht haben. Denn auf solch einen reichlich gedeckten Tisch dürften die auch im Altrhein vorkommenden Raubfische nur gewartet haben.

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