17.07.2017 03:30 |

Seine Mission ist und bleibt aber das virtuose Spiel mit den Noten: Sebastian Laverny ist der Einstein des Jazz

Mainz/Ginsheim-Gustavsburg Mit seiner Frisur sieht Sebastian Laverny ein wenig aus wie Einstein. Doch Physik ist nicht sein Ding, sondern die Musik. Die betreibt er als Beruf und auch privat.

Am Flügel im Probenraum des Mainzer Staatstheaters: Hier geht Sebastian Laverny seinem Tagesgeschäft nach.
Am Flügel im Probenraum des Mainzer Staatstheaters: Hier geht Sebastian Laverny seinem Tagesgeschäft nach. Bild: (Daniela Hamann)

Die Gänge, die vom Bühneneingang im Staatstheater Mainz ausgehen, sind ein Labyrinth. Wer zum ersten Mal hier hinein geht und versucht, sich ohne Begleitung zurecht zu finden, verläuft sich garantiert.

Etwa fünf Minuten dauert es, treppauf und treppab, durch einen dunklen Tunnel und mehrere Türen, bis man im Arbeitsraum von Sebastian Laverny steht, dem Probenraum des Staatstheaterchors. Gerade sind Theaterferien. Sonst sitzen in dem Raum 30 hauptberufliche Sängerinnen und Sänger vor Laverny und warten auf sein Kommando.

Seit 2001 arbeitet Sebastian Laverny als Chordirektor und Kapellmeister am Staatstheater Mainz. Er dirigiert sowohl den Chor als auch das Orchester. In seiner Freizeit leitet er zudem seit 2001 den Gesangsverein Einigkeit in Gustavsburg und hat eine eigene Jazz-Band, das „Sebastian Laverny Quartett“, mit dem er regelmäßig in den Burglichtspielen zu hören ist. Und schließlich ist er, ehrenamtlich, seit 2013 als künstlerischer Leiter für die Zusammenstellung des Programms „Jazz im Kino“ in den Burglichtspielen mitverantwortlich.

Laverny mag es gar nicht so sehr, sich selbst und seine Arbeit in den Mittelpunkt zu stellen. Während er so an seinem Flügel im Probenraum sitzt, redet er lieber über andere Menschen als über sich selbst. Obwohl er wirklich viel zu erzählen hat. Doch er bleibt dann doch lieber bescheiden.

„Die Arbeit hier am Staatstheater ist nicht so glamourös, wie man denkt. Vieles ist Routine. Das ist mein Tagesgeschäft, mit dem ich meine Brötchen verdiene.“ Fragt man ein wenig hartnäckiger nach, gibt Laverny dann doch zu, dass sein Job am Staatstheater ein wenig mehr beinhaltet, als nur den Dirigentenstock zu schwingen. 2016 war Laverny etwa bei den Feierlichkeiten von „200 Jahre Rheinhessen“ für das Arrangement des „Happy Birthday“-Lieds verantwortlich, welches das Orchester des Staatstheaters spielte. „Ich habe mir dann eine musikalische Fantasie überlegt und das Geburtstagslied so neu arrangiert.“ Sebastian Laverny sagt das ganz nebenbei, als ob diese Fähigkeit eigentlich nichts Besonderes sei. Was er auch gar nicht erwähnt, obwohl die Frage nach der Zusammenarbeit mit bekannten Personen gestellt wird, ist, dass er mit Montserrat Caballee gearbeitet hat. Das erfährt nur, wer sich ein wenig umfassender mit dem Musiker beschäftigt. Und fast aus der Nase ziehen muss man Laverny auch, dass er einmal ein Stück für Placido Domingo geschrieben hat.

Während er erzählt, streicht sich der Musiker oft durch die langen, gelockten Haare. Ein wenig erinnert seine Frisur an die Albert Einsteins. Bloß, dass Laverny mit Physik nicht so viel am Hut hat, sondern mit der Musik. Eigentlich bestimmt die Musik sein ganzes Leben und das fing schon in der Kindheit an.

Klavier selbst beigebracht

„Ich habe mir mit vier Jahren das Klavierspielen selbst beigebracht. Erst mit zehn Jahren haben ich die erste Stunde genommen“, sagt Sebastian Laverny, der 1969 in Lübeck als Sohn des Violin-Virtuosen Gustavo Hernandez Laverny das Licht der Welt erblickte. Neben dem Klavier erlernte er von seinem Vater Violine und Viola. Er absolvierte später an der Hochschule der Künste in Berlin ein Musikstudium, das er mit Diplom abschloss.

Steile Karriere

„Zum Jazz kam ich ungefähr mit zehn Jahren, als ich mir in der Bibliothek eine Kassette von Glen Miller ausgeliehen hatte und mir zu Hause anhörte“, erzählt der Musiker. „Die Musik hat mich danach nicht mehr losgelassen.“ Mit 14 Jahren habe er seine erste Jazz-Band gegründet. Mit 18 Jahren machte er sich in der Berliner Jazz-Szene einen Namen. Seit 2009 tourt er mit seinem „Sebastian Laverny Quartett“ oder wahlweise „Trio“ durch das In- und Ausland.

Im Verlauf des Gesprächs hält es Sebastian Laverny kaum auf dem Stuhl. „Ich stehe jetzt einmal auf“, sagt er und spricht weiter, während er im Probenraum auf und abgeht. Die gleiche temperamentvolle Art kann man auch beobachten, wenn Laverny mit seinem Quartett einen Jazz-Auftritt hat. „Eine ungestüme Spielweise“ haben ihm viele Kritiker bescheinigt und gaben ihm den Beinamen „das Tastentier.“

Obwohl er beim Jazz eine „missionarische Aufgabe“ hat, wie er sagt, „weil Jazz aus seinem Schattendasein herausgeholt werden sollte, denn es ist mehr als nur Hintergrundmusik“, hat sich Laverny nach dem Studium beruflich für eine klassische Laufbahn entschieden, die ihn über Linz, Bremen und Trier schließlich nach Mainz führte.

„Ich kenne so etwas wie Langeweile gar nicht“, behauptet der Musiker, der nach eigenen Angaben nie fernsieht oder Radio hört. Man glaubt es ihm sofort. Wieder gleiten seine unsteten Hände über die Tasten des Flügels. Was er für Pläne habe, ist die nächste Frage. „Eigentlich steht momentan meine Familie im Vordergrund“, meint der Vater eines kleinen Sohnes wieder bescheiden.

Doch dann rückt er doch mit ein paar Zielen heraus: „Hier im Theater freue ich mich auf Don Carlos. Die Oper werden wir nach den Ferien bearbeiten. Bei meiner Band arbeiten wir gerade mit dem Saxophonisten Wilson de Oliveira zusammen und ich würde gerne mein Projekt der Konzerte meines Quartetts zusammen mit großen Symphonieorchestern weiter ausbauen. Auch die Chorarbeit macht viel Spaß. Und in den Burglichtspielen beginnt am 31. August das neue Programm von Jazz im Kino. Darauf freue ich mich sehr.“ Sagts und spielt wieder ein paar Akkorde auf dem Flügel.

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