12.09.2017 03:30 | Dieter Hintermeier

Wetterextreme: Landwirte klagen über Probleme

Frankfurt Welche Auswirkungen hat der Klimawandel? Darüber streiten Experten. Fakt ist, dass die Folgen der Erderwärmung auch bei uns spürbar sind. Ein Zeichen dafür ist, dass Winzer mittlerweile die wärmebedürftige Rebsorte Merlot anpflanzen.

(Symbolfoto)
(Symbolfoto)

Weil in der Karibik und in Florida der Hurrikan „Irma“ mit großer Zerstörungskraft wütete, steht das Thema Klimawandel einmal mehr auf der Tagesordnung. Beschworen werden von vielen Experten die negativen Auswirkungen der zunehmenden Erderwärmung.

Die Auswirkungen sind auch bei uns in der Region deutlich. „Wegen der wärmeren Sommer, können bei uns mittlerweile auch Merlot-Rebsorten angepflanzt werden“, sagt Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbandes in Friedrichsdorf. Doch nicht nur die wärmebedürftige Rebsorte Merlot gedeiht mittlerweile auf hessischen Weinhängen, sondern auch die Rebsorten Cabernet Sauvignon und Syrah.

Aber ein Klima, das für die Weinfreunde eine Bereicherung ist, kann den Landwirten Kopfschmerzen bereiten. Zwar erfreuen sich diese auch über warme Sommer, aber Wetterextreme können den Bauern einen Strich durch die Ernte machen. Und diese Extreme haben zugenommen, hat Weber festgestellt. „Wir hatten von August vergangenen Jahres bis zum April ein Niederschlagsdefizit. Das hat sich aber zwischen Mai und Juni wieder relativiert“, beschreibt er die Situation. Aber wenn die Niederschläge in Form von Starkregen vom Himmel kommen, sei das für das Getreide alles andere als positiv. Vielerorts könne der Boden die Wassermassen gar nicht aufnehmen. Die Folge: Die Niederschläge „versickern“ in tiefere Erdschichten. „Junge Wurzeln erhalten damit nicht ausreichend Wasser“, beschreibt Weber diese Situation.

Spuk dauerte eine Minute

Ein weiteres Beispiel für die Folgen einer zunehmenden Erderwärmung sind für den Landwirtschaftsexperten die frühen Pflanzzeiten. Noch vor wenigen Jahren sei zum Beispiel die Zuckerrübe Mitte bis Ende April eines Jahres angepflanzt worden. Da das Frühjahr mittlerweile immer früher beginne, würden die Landwirte die Zuckerrübe schon Ende März anpflanzen.

Doch von den Wetterextremen sind nicht nur die Bauern betroffen. Bei dem schweren Unwetter vor einigen Woche liefen in Frankfurt fast 150 Keller voll mit Wasser. Kurz zuvor hatte bereits ein Hagelschauer in der Main-Metropole für Aufregung gesorgt. Knapp eine Minute dauerte der Spuk, bei dem Eiskörner so groß wie Kirschen vom Himmel prasselten und Straßen, Balkone sowie Terrassen in spiegelglatte Eisflächen verwandelten.

Das hessische Umweltministerium hat solche Wetterphänome untersucht und kommt zu dem Schluss, dass für Extremwetterereignisse bisher kein statistischer Trend aufgezeigt werden kann. Sie träten selten auf und seien geografisch oft begrenzt, wie beispielsweise bei Starkregen, sagt Ministeriumssprecherin Franziska Richter. Sie macht darauf aufmerksam, dass bei der Klimabeobachtung ein Zeitraum von 30 Jahren betrachtet werden müssen. „Auf Grund von grundlegenden physikalischen Annahmen ist aber davon auszugehen, dass Dürreperioden und Starkregen zunehmen“, so Richter weiter. So könne es beobachtet werden, dass beispielsweise die Anzahl von Sommertagen mit Temperaturen von über 25 Grad und heißen Tagen mit einer Temperatur von über 30 Grad in Hessen zugenommen habe.

„Gab es schon immer“

Dass eine Klimaerwärmung stattfindet, ist auch für Dominik Jung, Diplom-Meteorologe bei der Wiesbadener Firma Q.net, nicht von der Hand zu weisen. Er möchte aber nicht jedes Wetterextrem, wie zum Beispiel Tornados, auf den Klimawandel zurückführen. Wetterextreme habe es immer schon gegeben. Durch die sozialen Medien würden diese aber sofort weit verbreitet. Dies erwecke dann bei den Menschen den Eindruck, dass diese Wetterextreme immer häufiger auftreten würden, sagt er.

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