12.09.2017 03:30 | Michael Lennartz

IAA: Es kann losgehen mit der Zukunft

Frankfurt Trotz Dieselgate und Kartellvorwürfen verspricht die bevorstehende IAA eine spannende Angelegenheit zu werden. Weil sie so politisch ist wie nie zuvor und in die Zukunft blickt.

Auf der Messe präsentieren mehr als 1000 Aussteller aus fast 40 Ländern ihre Produkte. Hier ist es ein Felgenhersteller, dem eine Reinigungskraft den nötigen Durchblick verschafft.
Auf der Messe präsentieren mehr als 1000 Aussteller aus fast 40 Ländern ihre Produkte. Hier ist es ein Felgenhersteller, dem eine Reinigungskraft den nötigen Durchblick verschafft. Bild: Andreas Arnold (dpa)

Nein, die Vorfreude auf die am Donnerstag von Bundeskanzlerin Angela Merkel offiziell eröffnete Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) lässt sich Matthias Wissmann, der Präsident des veranstaltenden Verbandes der Automobil-Industrie (VDA) nicht verderben. Weder vom Diesel-Skandal noch von den Kartellvorwürfen und schon gar nicht von den Absagen vieler renommierter Hersteller von Peugeot über Nissan und Volvo bis zum gesamten Fiat-Konzern.

Im Gegenteil. Er sieht zwar eine IAA, die „politisch so aufgeladen ist, wie nie zuvor“, aber für ihn kommt sie dennoch „genau zum richtigen Zeitpunkt“. Denn schließlich böte die Messe der Automobil-Industrie die beste Gelegenheit, „ihre Leistungsfähigkeit der Öffentlichkeit unter Beweis zu stellen“, ist Wissmann überzeugt.

Beschädigtes Image

Nach den Betrügereien der jüngsten Vergangenheit geht es wohl eher darum, das beschädigte Image der Branche aufzupolieren und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Denn wenn der VDA-Cheflobbyist das erwartete „breite Publikum“ mit über 800 000 Besuchern beziffert, kalkuliert er wohl auch selbst einen spürbaren Besucherrückgang ein. Schließlich drängelten vor zwei Jahren noch deutlich über 900 000 Autofans dicht an dicht durch die Messehallen.

Tatsächlich könnte die 67. Auflage der IAA zur Versachlichung einiger zuletzt sehr emotional diskutierter Themen beitragen. An vorderster Stelle natürlich in der Diesel-Problematik. Und da, bezieht Matthias Wissmann klar Stellung, ist von einem Abgesang auf die in Verruf geratene Antriebstechnik nichts zu hören: „Ich bin der festen Überzeugung, dass der Diesel in Europa noch lange Zeit eine erheblich Rolle spielen wird, wenn wir die Baustelle Stickoxid gelöst haben.“ Und das sei im Hinblick auf das Erreichen der CO2-Ziele auch unbedingt erforderlich. Da mittelfristig auf den Diesel komplett zu verzichten, „wäre das falsche Signal“, so Wissmann. Vor allem beim Lkw-Fernverkehr würde der Diesel noch sehr lange gebraucht.

Entschieden wehrt sich der VDA-Präsident aber gegen Vorwürfe, die IAA würde den guten alten Zeiten nachhängen. „Wir haben aus Fehlern gelernt und haben Zukunftsthemen vorangetrieben wie keine andere Automesse dieser Welt.“

Autonomes Fahren erleben

Die IAA stehe vor einem grundlegenden Paradigmenwechsel. Die enorme Bedeutung der Digitalisierung und ihre großen Vorteile wie Steigerung der Verkehrssicherheit, verbesserter Verkehrsfluss, Minimierung des Parksuchverkehrs und weniger Schadstoffemissionen würde auf der Ausstellung sichtbar. In der „New Mobility World“ auf dem Agora-Freigelände, auf dem vor zwei Jahren noch Audi eine eigene Halle aufgebaut hatte, könne man „automatisiertes Fahren zum Anfassen“ erleben. Wissmann: „In das vernetzte und automatisierte Fahren investiert die deutsche Automobilindustrie bis zum Jahr 2020 allein 16 bis 18 Milliarden Euro.

Der VDA ist zudem stolz, hier auf dem Frankfurter Messegelände die Innovatoren aller Branchen zusammenzubringen. Auch Facebook und Google sind mit am Start. Nicht umsonst heißt das Motto dieser IAA „Zukunft erleben“.

Visionen und Konzepte

Das gilt auch für die Elektromobilität. „Die Zahl der reinen Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybriden wird sich von heute 30 bis 2020 auf über 100 Modelle mehr als verdreifachen“, kündigt Matthias Wissmann an. Das Wachstum wird dann exponentiell verlaufen. Und auch wenn es immer so dargestellt würde, als habe man die Entwicklung verschlafen, sähe eine McKinsey-Studie Deutschland 2025 als weltweiten Marktführer in der Elektromobilität.

In der Tat hält die IAA etliche Elektro-Neuheiten parat. Bis auf eine sportliche Variante des BMW i3 handelt es sich dabei aber hauptsächlich um Visionen und Konzeptfahrzeuge, die frühestens in zwei, drei Jahre serienreif sind. Zukunft eben.

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