09.10.2017 03:30 | Peppi Schmitt

Eintracht Frankfurt: Zwischenbilanz: Im Spiel nach vorne muss mehr gehen

Frankfurt Eintracht-Trainer Kovac will erst Ende Oktober eine erste Zwischenbilanz ziehen. Schon jetzt aber bilden Zahlen und Eindrücke ein erstes aussagekräftiges Bild.

Trainer Niko Kovac (rechts) hat viel Erklärungsbedarf zu stillen: Bei so vielen neuen Eintracht-Spielern können noch gar nicht alle Abläufe stimmen.
Trainer Niko Kovac (rechts) hat viel Erklärungsbedarf zu stillen: Bei so vielen neuen Eintracht-Spielern können noch gar nicht alle Abläufe stimmen. Bild: Jan Huebner (Jan Huebner)

Die Zwischenbilanz der Frankfurter Eintracht ist eigentlich ziemlich präzise in ihrer Aussagekraft. Doch Niko Kovac, der Trainer des Fußball-Bundesligisten, will noch keine Bilanz ziehen, bittet etwas um Zeit und Geduld. In seiner Mittelmäßigkeit ist das Abschneiden nach sieben Spieltagen der ersten deutschen Klasse außerordentlich konsequent: sieben Spiele, drei Siege, drei Niederlagen, ein Unentschieden, 6:6 Tore. Das bedeutet in der aktuellen Rangliste Platz acht. Zum ersten Europapokal-Platz beträgt der Rückstand einen einzigen Punkt, auf den Relegationsplatz der Vorsprung drei Punkte, in einem einzigen Spiel kann es in beide Richtungen gehen. Im Grunde ist es genau das, was sich die Frankfurter vor der Saison vorgenommen haben.

Auf einen Tabellenplatz wollte sich damals wie heute niemand festlegen lassen, dazu ist die Liga zu ausgeglichen. Von einer „ruhigen Saison“ war die Rede, das haben Trainer wie Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner immer wieder betont. Soll heißen: Nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben, so früh wie möglich jene Punkte zu holen, die der Mannschaft diesem Ziel näher bringt.

Als die Reporter nach dem Freundschaftsspiel beim Oberliga-Tabellenführer TSV Lehnerz (3:0) am Freitagabend den Trainer zu seinen Einschätzungen befragten, blieb er Antworten schuldig. Kovac will erst nach zehn Spieltagen ein erstes Urteil fällen. „Warten wir ab bis Ende Oktober“, sagte er. Bis dahin hat die Eintracht noch ein außerordentlich schweres Programm zu absolvieren. Zwei Auswärtsspiele in Hannover und Mainz, dazwischen das Heimspiel gegen Borussia Dortmund und ein Pokalspiel beim Regionalligisten Schweinfurt 05. Wäre die Bilanz auch danach noch auf diese Weise mittelmäßig wie jetzt, könnte das vielleicht sogar der Anfang einer Erfolgsgeschichte werden.

Freilich müsste die Eintracht sich dazu in einigen Bereichen vorwärts entwickeln. Und das ist wörtlich zu nehmen. Nach vorne muss das Spiel besser werden, der Fußball muss besser werden. Da ist der Trainer mit seinem Team noch ein Suchender. Noch immer ist nicht so ganz klar, wofür die Eintracht im taktischen Bereich steht.

Es geht dabei nicht um die systematische Zahlenlehre, ob 5-4-1- oder 4-4-2 oder Ähnliches. Es geht viel mehr darum, ob die nun den Gegner weit vorne attackieren wollen. Oder ob sie lieber abwarten, was die Gegner machen. Ob sie schnell nach vorne spielen wollen, mit langen Bällen. Oder ob sie auch in der Lage sein können, mit Ballbesitzfußball gewinnbringend zu spielen. „Fußball zum Abgewöhnen“ hat ihnen der frühere Weltmeister Thomas Berthold attestiert. Das hat die Eintracht und ihren Trainer durchaus getroffen. Auch wenn der Trainer versucht, es wegzulächeln. „Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung“, sagt Kovac, „ich kann damit gut leben.“

Lösungen gesucht

Doch er muss Lösungen finden. Vor allem in Heimspielen. Denn der Frankfurter Fußball war bislang in der Tat weitgehend unansehnlich. Es fehlt das Tempo im Mittelfeld, und das bei allen Spielern durchgehend. Und ganz grundsätzlich fehlt es an Kreativität. Der Verdacht, dass die Mannschaft nicht gerade besonders fantasievoll zusammengestellt ist, drängt sich auf. Denn bei allem Kollektivgedanken darf die Individualität nicht unterschätzt werden.

Kovac sagt zu Recht, dass sich ganz viele Mannschaften in der Bundesliga auf Augenhöhe bewegen. Dem begegnet er mit dem Versuch mannschaftlicher Geschlossenheit, mit kompakten Abwehrspiel, mit Defensive, die manchmal in Destruktivität mündet, in „Gebolze“ wie eine Halbzeit in Leipzig, eine in Köln und eine gegen Stuttgart. Dann gibt es wiederum auch Phasen, in denen die Fesseln gelöst werden. Wie am Ende in Leipzig oder zuletzt in der Schlussphase gegen Stuttgart. Aber noch fehlt die klar sichtbare Linie.

Da könnte die Klasse einzelner Spieler helfen. Mit Mijat Gacinovic und Ante Rebic hat die Eintracht zwei Offensivkräfte, die mal mit Dribblings festgefahrene Strukturen auflösen könnten. Und seit neuestem gibt es mit Sébastien Haller einen, der in der Lage ist, spektakuläre Tore zu erzielen – wie gegen Stuttgart. Dagegen sind mit Kombinationen herausgespielte Treffer bei den Frankfurtern so selten wie Wasser in der Wüste.

Ansätze sind vorhanden

Was durchaus an mangelndem Ideenreichtum im Mittelfeld liegt. Eine Rückkehr von Marco Fabián im neuen Jahr wäre in dieser Beziehung ein Hoffnungsschimmer. Auch eine körperliche Verbesserung bei Kevin Prince Boateng könnte da weiterhelfen. Ansätze sind also vorhanden. Die Mannschaft der Eintracht ist in ihrer Leistungsfähigkeit durchaus zu beurteilen nach sieben Bundesligapartien und einem Pokalspiel. Es ist ganz einfach eine mittelmäßige Zwischenbilanz. Bei einzelnen Spielern ist es dagegen noch schwer. 14 Neuzugänge, davon häufig bis zu sieben in der Anfangself – da können die Abläufe einfach noch nicht stimmen.

Dass Trainer Kovac da Geduld einfordert, ist also berechtigt. Allerdings hat auch niemand die Frankfurter Eintracht gezwungen, den Kader so aufzublähen wie es jetzt geschehen ist. Und es hat sie auch niemand gezwungen, fast ausschließlich Spieler aus anderen europäischen Ländern ohne Bundesligaerfahrung zu holen. Da waren Formschwankungen programmiert. Damit müssen der Verein und sein Publikum leben.

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